Augen auf(,) Berlin.
Schlendern, schauen, staunen. Zwischen Kiez und Beton, Kunst und Krempel. Menschen, die eilen oder posieren. Jeder Blick ein Fundstück, jedes Bild ein Augenzwinkern.
Einfach unterwegs sein – und alles mitnehmen.
Die Augen des Pallasseum
Augen an der Hauswand.
Wachsam, ruhig, cool.
Sie sehen alles – und sagen nichts.
Berlin eben.
Alex
Wolken ziehen wichtig über den Platz.
Der Turm pieckst den Äther,
macht auf kosmisch – und zählt die Trams.
Menschen verstreut wie Konfetti.
Alles beginnt im Zentrum.
Savigny
Ein Blick durchs Glas,
zerschnitten von Streifenlicht.
Er hält ihre Hand wie ein Ticket ins Gestern.
Reklame fordert Moral.
Und der Bahnhof denkt sich nichts dabei.
Orpheus oder Panem?
Betonpoesie im Kachelkleid,
orange wie eine Trotzreaktion.
Stille hallt von Säule zu Säule.
Und irgendwo denkt jemand:
schön hier.
Aber nur ganz kurz.
Spuren der DDR
Mauern, die nicht mehr trennen, aber noch erzählen.
Wachtürme, die nur noch Schatten werfen.
Monumente, die für Helden standen, heute Kritzeleien tragen.
Köpfe aus Bronze und Gips, gestrandet im Trödelladen der Geschichte.
Und Warnschilder, die uns mahnen:
Freiheit war hier mal Mangelware.
Berlin hat sie sich wieder geholt –
und schaut neugierig zurück.
Spieglein, Spieglein
Alles ist doppelt, dreifach, verwischt.
Alte Busse gleiten durchs Jetzt.
Werbung schreit um Aufmerksamkeit.
Ein Schupo notiert die Verwirrung.
Berlin kann Spiegelkabinett sehr gut.
Am C/O Berlin
Bahnhof Zoo – Bühne für Großstadtgeschichten.
Drunter fließt Verkehr.
Menschenströme und Gespräche.
Abends glänzt das Glas wie ein Versprechen.
Berlin kennt kein Ende – nur Haltestellen.
Zwischen Zeilen und Zügen
Worte als Mosaik –
in Kacheln gelegt, für Eile und Ewigkeit.
Wer hier wartet,
blickt auf Freiheit und Gleichheit,
mit Heines Augen,
und einen Hauch Brüderlichkeit im Untergrund.
Der Stein liest mit
Backstein wird Buch,
Gesicht wird Faltenwurf,
versunken in Gedanken.
Buchstaben ohne Papier,
Geschichten, die nie vergehen.
Sechserketten
Sie marschieren (scheinbar) im Takt,
als hätte jemand Ordnung bestellt.
Doch Berlin bleibt gelassen:
Wer hier Schlangen bildet,
kriegt höchstens Applaus vom Imbissstand.
Bronze
Sonnenglanz auf nacktem Rücken.
Parklicht spielt Skulptur.
Ein starker Typ schiebt sanft das Leben vor sich her.
Heldentum ganz ohne Drama.
Trommelfeuer
Drums gegen den Alltag.
Der Transporter wird zur Bühne.
Passanten eilen, gedankenverloren.
Doch sie trommelt weiter,
unbeirrt und laut –
gegen die Ignoranz.
Schräg
Leuchten in Beton
als Mahnmal fürs Absurde.
Wer fragt warum,
hat Berlin noch nicht verstanden.
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