Zwischen Rost und Rave, zwischen Backstein, Beton und Graffiti.
Was einst Industrieanlage war, ist heute Bühne: für Skater, Künstler, Clubgänger, Touristen; für Licht, Lärm und stille Momente dazwischen.
Das RAW-Gelände ist Berlin im Rohzustand – laut, kreativ, voller Spuren.
Von der Lok
zum
Haubentaucher
1867
Gründung als
„Königlich-Preußische-Eisenbahnwerkstatt“
1918
Umbenennung in
„Reichsbahnausbesserungswerk“ (RAW)
Wende
Doch wie so vieles hat auch dieses traditionsreiche DDR-Werk die Wende nicht überlebt. 1991 wurde hier der letzte Eisenbahnwaggon auf Vordermann gebracht.
In den 90er Jahren verkam das Gelände immer mehr zur Brache, mit verfallenden Industriebauten aus dem letzten Jahrhundert. Und war somit – wer hätte es gedacht – prädestiniert für Aussteiger und Kreative mit Hang zur Subkultur.
Seit den 90er Jahren erwuchs aus diesen Industrieruinen ein faszinierendes Biotop aus Kultur- und Sporteinrichtungen, aus Clubs, Cafés, Ateliers, Bädern und Konzerthallen mit so klangvollen Namen wie
Kuchenrausch,
dem Außenpool Haubentaucher,
Szimpla Badehaus,
Schnörkelei,
Suppe und Mucke,
Club Suicide,
Weißer Hase,
Kinderzirkus Zack oder
Zum schmutzigen Hobby.
Ziegel atmen.
Farben fließen.
Cassiopeia überm Tor.
Geldautomat leuchtet.
Nächte kosten Träume.
Ein Gesicht lacht aus der Wand,
Zähne weit, Augen wachsam.
Davor eine grüne Kabine,
die Musik verspricht auf engstem Raum.
Und irgendwo duftet es nach warmem Essen.
Farben erzählen vom Aufbruch,
alten Mauern wird neues Leben geschenkt.
Bootsholz aus fernen Küsten,
bunte Felder im Fenster wie ein Versprechen.
Ein Ort, der zeigt: Schönheit wächst aus Gebrauch.
Rotes Leuchten taucht alles in Wärme.
Hinter Glas ein Mensch, versunken,
verloren in eigener Welt.
Die Scheibe spiegelt mehr als Gesichter,
verwandelt Distanz in stille Begegnung.
Man sieht mehr, als man erkennt.
Lichtlinien.
Ein offenes Tor.
Kabel, Rauch, Glut.
Ideen wie Funken.
Raum beginnt.
Heiße Kastanien im Graffiti-Look,
die Bretterbude trägt Streetart wie Haute Couture.
Die Feuerschale wartet auf Frost,
drinnen dampft der Topf für urbane Romantik.
Weil Berlin selbst beim Lagerfeuer
cool sein will.
Drinnen wird gekraxelt, geschwitzt und gelacht.
Gesichter unscharf hinter Glas,
Griffe bunt wie Bonbons.
Hier wird Halten Kunst.
Je sichtbarer der Ort wurde, desto begehrter wurde er auch.
Seit den 2010er Jahren ringen Investoren, Bezirk und Nutzer*innen um die Zukunft des RAW.
Bebauungspläne treffen auf Utopien,
Sicherheitsauflagen auf Subkultur.
Ausgang ungewiss.
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